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Malaspa/Panjshir-Tal

 

Das Panjshir-Tal, etwa zwei Autostunden nördlich Kabul und parallel zum Salang-Pass gelegen, war nach dem Rückzug der Sowjets eine der am schlimmsten betroffenen zerstörten Regionen Afghanistans. In den 90er Jahren führte der FKA in Zusammenarbeit mit Brot für die Welt und GTZ drei Projekte "Wiederaufbau" im Dorf Malaspa und umgebenden Orten durch. Im Mittelpunkt standen Instandsetzung bzw. Wiederaufbau von Wohnhäusern, Moscheen und Bewässerungskanälen (Djuis), die (Wieder-) Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen, die Bereitstellung von Saatgut und die Anpflanzung von Obstbäumen.

Das Projekt "Haus für Frauenaktivitäten" erwies sich nach der Fertigstellung des Gebäudes als nicht effizient; in den Neubau zog eine Grundschule ein. Das ehemalige Schulgebäude war in Kriegszeiten in ein Krankenhaus umfunktioniert worden. Ein Anbau mit weiteren Klassenräumen konnte die Raumnot etwas lindern.

Inzwischen ist das Panjshir-Tal durch Schnellstraße und Teerung der Talstraße auf eine Autozeitstunde an Kabul herangerückt und erlebt eine rasante Entwicklung. Die verkehrstechnische Erschließung und nicht zuletzt die Sicherheit vor terroristischen Aktivitäten veranlassen den FKA, mit dem zuverlässigen und bewährten Partner Community Development Council (CDC) weitere Projekte in Angriff zu nehmen.

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Projekte im Panjshir-Tal - Ein Rückblick

Dieses unzugängliche aber fruchtbare und dicht besiedelte Flusstal entlang des ab-e-panj, der sich östlich Kabul im Sarobi-Stausee mit dem Kabulfluss vereinigt, gilt als eines der malerischsten Täler im Hindukush. Aus nordöstlicher Richtung kommend, wird der Talgrund nach Süden hin immer schmaler, bis der Fluss sich kurz vor Gulbahar zwischen steil aufragenden Felsen hindurchzwängt und endlich Bahn bricht in die Ebene. Nur eine enge Straße, in den Fels hoch über dem tosenden Wasser gebrochen, bietet Zugang von Süden her in das Tal. Dieser Umstand und die gewaltigen unwegsamen Gebirgsmassive zu beiden Talseiten bieten seit jeher Schutz vor unliebsamen Eindringlingen. So war das Panjshir-Tal wegen seiner strategisch bedeutsamen Lage unter seinem Führer und Nationalhelden Massud ein Symbol des Kampfes und Widerstands gegen die sowjetischen Invasoren in den 80er Jahren und danach gegen die Taleban bis zu deren vorläufigem Verschwinden 2001.

 

 

 

Wiederaufbauprojekte in den 90er Jahren

Unserem Mitglied Ahmadjan Amini gelang es 1989 zum ersten Mal wieder in sein Heimatdorf Malaspa zurückzukehren. Er berichtete den Teilnehmern der Mitgliederversammlung des FKA im März 1990 eindrucksvoll von Zerstörungen und Elend durch Bombardements und Kämpfe. Der FKA beschloss zu helfen. Mit finanzieller Unterstützung von BROT FÜR DIE WELT und GTZ war es dann möglich, dass 124 Familien in Malaspa neue Häuser bzw. Hausreparaturen zu Teil wurden, Bewässerungskanäle (Djuis) wiederhergestellt, Saatgut beschafft, Nutzbäume angepflanzt und Vieh gekauft werden konnte.

 

Wiederaufbau (Fotos: A.Amini)

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1992: Einwohner Malaspas vor den Ruinen ihrer Häuser

 

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Malaspa 1998

 

Ein kilometerlanger Wasserschutzdamm wurde gemauert und betoniert. Er schützt bis heute die Uferstraße und die anliegenden Häuser vor Überflutungen. Auch konnte dem Wunsch entsprochen werden, in der Ortsmitte eine Moschee zu errichten, die auch als Gemeindehaus dient, zeitweilig behelfsmäßig Notschule war.

 

Wasserschutzdamm (Fotos: A. Amini)

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Malaspa 1993: Der Panjshir überschwemmt in jedem Frühjahr Teile der Uferstraße und des Dorfes

 

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Malaspa 1998: Eine 400m lange Schutzmauer bewahrt das Dorf vor Überschwemmungen

 

Auf das Pilotprojekt mit BROT FÜR DIE WELT (92-94) und das 1. Folgeprojekt (93-95) folgte ein letztes Kleinprojekt (95-99), das auch die benachbarten Dörfer Badqul (500m langer Wasserschutzdamm), Nawalidg (Gemeindehaus) und Astana (39 Hausneubauten bzw. -reparaturen) einschloss.

Die 90er Jahre waren die Jahre des Bürgerkrieges und letztendlich des Vormarsches der Taleban von Süden her über Kabul in den Norden Afghanistans. Das Panjshir-Tal blieb während dieser Spanne weitgehend unbehelligt. Lediglich die immer wieder näher rückenden Frontlinien erschwerten die Versorgung und den Zugang. Kein Wunder, dass der deshalb stockende Transfer der Geldmittel nach Malaspa die Durchführung der Projekte immer wieder verzögerte und auch die Abrechnung mit unseren Partnern häufig auf große Schwierigkeiten stieß und deren Geduld auf so manche harte Probe stellte.

Ahmadjan Amini war in dieser Zeit immer wieder unter schwierigsten Bedingungen und teilweise unter Lebensgefahr Geldbote, Informationsträger und Mittelsmann zwischen Malaspa und dem FKA. Unsere zuverlässigen Partner in Afghanistan waren neben Peter Schwittek die Ratsversammlungen (shura) der Projektdörfer sowie unser Gewährsmann vor Ort, Quarie Amin.

In den vergangenen Jahren hatten einige von uns die Gelegenheit nach Afghanistan zu reisen und sich von der Wiederaufbauarbeit und den Fortschritten in und um Malaspa zu überzeugen. Mein persönlicher Eindruck aus meinen Reisen 2003 und 2005 war, dass dort nicht zuletzt dank unserer Mühe und Hilfe die Region zu neuem Leben erblüht ist, der FKA dort mit zuverlässigen Partnern zusammenarbeitet und dies fortgeführt werden sollte.

Bedauerlich ist, dass für weitere Maßnahmen des FKA im Panjshir-Tal seit der Jahrtausendwende keine Kofinanzierer mehr gewonnen werden konnten. Lediglich die GTZ war bereit ein Frauenprojekt zu unterstützen und für den Bau eines einstöckigen Gebäudes ("Haus für Frauenaktivitäten") mit fünf Räumen sowie den Kauf von Nähmaschinen Mittel zur Verfügung zu stellen. Das Frauenprojekt erwies sich leider als nicht erfolgreich. Inzwischen wird das Gebäude als Primarschule genutzt. Der FKA finanzierte ein zusätzliches Gebäude auf dem Schulgelände mit drei Klassenräumen, die inzwischen bezogen sind.

 

Brücke über den Panjshir

Der Brückenschlag über den Panjshir verbindet seit 2003 das etwa 40 Minuten Fußweg entfernte, nördlich Malaspa gelegene Astana mit dem am Ostufer gelegenen Ort Hurro. Die Brücke hat eine sehr lange Geschichte, eine zu lange. Das Thema war ein Dauerbrenner bei unseren Vorstandssitzungen und Jahrestagungen und hat damals die Geister im Verein entzweit.

Der Wunsch nach dieser Fußgängerbrücke kam von den Malaspanern - so etwa 1990. Realisieren wollte dieses Vorhaben ein in Dortmund anlässlich des dort stattfindenden Evangelischen Kirchentages gegründetes Komitee, das sich den Titel "Bausteine für Afghanistan" gab.

Dieses Komitee, ein "Dortmunder Kreis", bestehend aus ansässigen Mitgliedern des INFOKREIS Afghanistan (Andreas Kramer,...) und einigen Mitgliedern des FKA (Najib Habib, Günther Ludolph, Brigitte Karwehl und Heinz Franken) verfolgte die Idee, mit moderner Modultechnik einer Dortmunder Stahlbaufirma Wohnhäuser (erdbebensicher (!); Vermeidung von "Wellblechhütten"(!)) und eben Brücken zu konstruieren. Eine große Spendenaktion wurde, beginnend auf dem Kirchentag 1991, gestartet.

Günther Ludolph war der Motor des Ganzen. Er sammelte immerhin 10.000 DM.

Immer wieder setzten Kriegshandlungen in Afghanistan der Realisierung Grenzen. Das Spendenaufkommen blieb erheblich hinter den Erwartungen zurück. Der Plan, Dortmunder Stahlbautechnik nach Afghanistan zwecks Häuserbau zu exportieren, wurde bald fallen gelassen. Was blieb, waren 10.000 DM auf einem Festgeldkonto (bestimmt für Brückenbau, weil Spenderwille), die feste Absicht, eine Brücke zu bauen und endlose Diskussionen um das Für und Wider, High-Tech zu exportieren. Sollte man nicht besser die Afghanen selber mit vorhandenen Mitteln und ihrem Know-How ihre Brücke bauen lassen? War hier nicht Profitstreben einer Firma das Motiv und damit zumindest anrüchig, also kein Fall für den FKA?

Ahmadjan und mit ihm unser Fachmann Jürgen Pollul reisten 1995 nach Malaspa, unter anderem um die Standortfrage zu klären und Vermessungsarbeiten durchzuführen. Anlässlich einer Flussüberquerung mittels aufgeblasenen Ziegenbälgen wären beide beinah in der reißenden Strömung ertrunken.

Die politische Lage in Afghanistan eskalierte, ein sicherer Transport der Module war nicht mehr gewährleistet. Aber immerhin verzinste sich das Kapital. Und so kam es, dass Ahmadjan 2002 mit 5.112,92 € in der Tasche nach Malaspa reiste und so die Brücke, stabil und nach afghanischer Machart, seit dem späten Frühjahr 2003 ihre Dienste für Mensch und Tier tut. Stählerne verschweißte Chassisteile von sowjetischen Militär-LKWs statt Modultechnik von HOESCH überspannen seither den Fluss.

Wir waren 2003 dort und haben sie der Ehre halber "Günther-Ludolph-Brücke" getauft - nicht mit einer Sektflasche, sondern mit Panjshir-Wasser. Ein entsprechendes Hinweisschild müsste noch beim Brückenabstieg angebracht werden, dort wo der Konstrukteur für den müden Wanderer eine Sitzbank aus einem Kabuler Park installiert hat.

 

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Auf dem Weg zur "Günter-Ludolph-Brücke"

 

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Im Frühjahr schwillt der Fluss zu mächtiger Breite an

 

Heinz Franken
Bericht im INFO 43 des FKA (Februar 2002)

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