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Khost / Paktia

 

Die Provinzhauptstadt Khost in der paschtunisch dominierten Region nahe der pakistanischen Grenze ist seit 1981 Projektgebiet des FKA.

Unser Projektpartner dort ist der in Deutschland ausgebildete Lehrer Khazan Gul Tani. Dieser kehrte direkt nach dem Einmarsch der Roten Armee in seine Heimat zurück um eine führende Rolle im Widerstand einzunehmen. Unter Mithilfe von Auswärtigem Amt, Welthungerhilfe und verschiedener Hilfsorganisationen konnte der FKA gemeinsam mit Khazan Gul Nothilfe für die in die Berge geflohene Bevölkerung leisten. Visionär und hierzulande in Kriegszeiten nur schwer zu vermitteln war die Durchführung von Projekten im Bereich Dorfentwicklung, Landgewinnung und Bildung.

Mehrmals folgte Khazan Gul seither Einladungen nach Deutschland, war nicht zuletzt wegen seiner Deutschkenntnisse gefragter Gast bei den Medien. Aktuell führt der FKA mit Khazan Gul Schul- und landwirtschaftliche Projekte durch.

 

 

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Khazan Gul Tani         

 

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Mädchenschule Khost

 

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Schülerinnen der Mädchenschule

 

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Pflanzung von Obstbäumen

         

 

Laborgeräte für die Mädchenschule Khost

Im Auftrag Khazan Guls, der nicht rechtzeitig zur Jahrestagung 2008 anreisen konnte, trugen Ute Mayer-Böhning und ihr Ehemann Volker Mayer Khazans Wunsch vor, für den naturwissenschaftlichen Unterricht an "seinem" Mädchengymnasium in Khost Experimentiermaterial zu erwerben. Als ehedem in den 70er Jahren in Deutschland ausgebildeter Lehrer in den Fachbereichen Mathematik und Physik wusste er, wovon er sprach, forderte, dass NW- Unterricht nicht nur theoretisch, wie an afghanischen Schulen generell üblich, sondern auch auf experimenteller Basis erteilt werden müsse. Also plane er, Labormaterial zu beschaffen. Und das ginge wohl am ehesten und kostengünstig in Pakistan.

 

Die MV diskutierte Khazans Wunsch und befürwortete schließlich bis zu 10.000 Euro Zuschuss für die Ausstattung des Mädchengymnasiums mit naturwissenschaftlichem Lehrmaterial - nach Absprache mit dem Vorstand.

 

Einen Monat später, Ende März, findet bei Meraj Amiri ein Treffen mit Khazan statt. Inzwischen hatte sich zum Thema "Laborgeräte Physik" eine wohl einmalige Gelegenheit der Beschaffung konkretisiert: In dem kleinen Städtchen Attendorn wurde justament aus zwei Hauptschulen, einer katholischen und einer Gemeinschaftshauptschule, eine Gemeinschaftshauptschule (GHS) gebildet. Ausgerechnet meinem Unterrichtsbereich Physik wurde zuteil, dass aus zwei physikalischen Sammlungen der beiden Systeme eine ausgesondert und durch eine nagelneue ersetzt werden sollte. Mir als Sammlungsleiter oblag es nun, aus zwei "alten" Sammlungen des gleichen Herstellers eine vollständige "gute" neben die nagelneue zu stellen. Denn beide Schulgebäude, vordem durch einen Zaun getrennt und jetzt eins, sollten jeweils einen naturwissenschaftlichen Trakt erhalten. Was übrig blieb, durfte ich mit ausdrücklicher Zustimmung der Schulleitung für Afghanistan aussortieren - eine einmalige Gelegenheit, die wir beim Schopf fassen mussten!

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Dieser "Rest" Lehr- und Lernmaterial (Demonstrations- und Schülerexperimentiergerät), als Neuanschaffung sündhaft teuer, ergab dann immerhin mehr als 250 kg netto Halterungs- und Glasmaterial (Stative, Bechergläser, …), Geräte zur den Disziplinen Mechanik (Präzisionswaagen, Kraftmesser,…), Elektrik und Magnetismus (Multimeter, Spulen, Elektromotoren, …), Optik (Experimentierleuchten, Linsen, …), Kalorik (Thermometer, …) und Akustik (Stimmgabeln, …) - abertausende Einzelteile, teils mit Gebrauchsspuren, aber absolut funktionstüchtig. Einiges musste repariert werden, manches wurde nach dem Prinzip "aus zwei mach eins" wieder verwendbar.

 

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Bis zum Schuljahresende Ende Juni musste die Aktion in den Schulgebäuden abgeschlossen sein. Die Unmengen Einzelteile konnte ich auf Tischen und Tischtennisplatten in meiner Doppelgarage lagern, sortieren und letztlich sorgfältig verpacken. Dabei habe ich noch so manches gelernt - über Verpackungsmaterial, die Kunst des Platz sparenden und sicheren Verpackens und Verstauens und dass es in meiner Heimat alleine fünf große Kartonagefirmen gibt. Letztendlich waren 9 stabile, dreiwellige Kartons (600x400x250) randvoll gefüllt, empfindliches Gerät wie Glasmaterial und Messinstrumente bruchsicher eingepackt.

Parallel zur Sortier- und Packaktion bemühten sich Meraj Amiri, Josef Collin und Volker Mayer um eine Transportmöglichkeit nach Kabul. Das erwies sich als nicht so einfach wie zunächst angenommen. Eine kostengünstige und sichere Lösung musste gefunden werden. Nach manchen zunächst viel versprechenden Ansätzen und ungeduldigem Warten bot sich plötzlich überraschend eine Lösung, die wir eigentlich als aussichtslos von vornherein ausgeschlossen hatten, der Lufttransport durch die Bundesluftwaffe über Termez nach Kabul. Eine fast verzweifelte Anfrage über das Büro des uns wohlbekannten und -gesonnenen Dr. Winfried Nachtwei, damals noch verteidigungspolitischer Sprecher von Bündnis 90 - die Grünen und Referent anlässlich unserer Jahrestagung 2008 führte zum Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Und dann ging alles rasch und gänzlich unkompliziert.

Am 2. Oktober bringe ich die Kartons zur Bleiberg-Kaserne der Bundeswehr in Mechernich/Eifel und liefere sie im Materialdepot ab. Auf einer Stahlpalette eingeschweißt werden die nunmehr 308 Kilogramm zum unschlagbaren Preis von 3,50 €/kg nach Kabul geflogen.

Bleibt noch zu berichten, dass mitten in die ganze Aktion die Nachricht vom feigen Anschlag auf Khazan am 2. Juli platzt. Die Zeit der Ungewissheit, ob er die schwere Verletzung überlebt und wenn ja, wie, ließ uns am Gelingen des Projekts zweifeln. Denn wie sollte es ohne Khazan Gul in Khost weiter gehen?

 

Heinz Franken
Bericht im INFO 59 des FKA (Februar 2010)

 

 

Stand April 2012:
Inzwischen hat Khazan Gul aus Mitteln des FKA und des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnsiums in Eppelheim bei Heidelberg einen Neubau für den naturwissenschaftlichen Unterricht errichten lassen, bestehend aus Unterrichts- und Sammlungs-/Vorbereitungsraum.

Derzeit ist es schwierig und gefährlich in das Projektgebiet Khost zu reisen. Leider scheiterte auch die Absicht Khazan Guls zur Jahrestagung des FKA nach Deutschland zu reisen. 2010 und 2011 erfolgte die Einladung des FKA. Die Botschaft in Kabul verweigerte jeweils das Visum. Nach diesen vergeblichen Anstrengungen erteilte die Botschaft in Kabul diesmal ein Visum, so dass Khazan Gul der Einladung des FKA folgen und er an der Jahrestagung vom 16.-18. März 2012 teilnehmen konnte.

 

 

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